• Isabel (engineerwife)

Wo Lieb' und Leid so nah beieinander liegen ...

Da scheinen wir ja ein riesiges Glück gehabt zu haben, als der Vulkan Eyjafjallajökull – ein Name, den man fast nicht aussprechen kann – im Jahr 2010 auf Island ausbrach und mit seinen Aschewolken "nur" den Flugverkehr in ganz Europa zum Erliegen brachte. Man könnte dies fast als eine kleine Handlung in einem Nebensatz betrachten, denn 1816 waren die Auswirkungen nach Ausbruch eines Vulkans in Indonesien um ein Vielfaches gewaltiger. Sie brachten keinen Flugverkehr zum Erliegen, den gab es damals ja noch nicht, sondern die Nahrungsmittelversorgung vieler tausender Menschen zum Zusammenbruch. So auch in dem fiktiven Weberstädtchen Hohenstetten auf der rauen schwäbischen Alb, wo die Menschen auch ohne Naturkatastrophe schon hart ums Überleben kämpfen mussten. Doch ein paar von Ihnen, unter anderem dem Schultes Gutjahr, „lauft d’r Rotz zwoireihig d’r Backa nuff“, um es mal auf urschwäbisch auszudrücken. Es fällt einem schwer zu glauben, dass das alles mit rechten Dingen zugeht. Und weil Geld zu Geld will, hat er dann auch vor, seine Tochter Paulina an den schmierigen Metzgermeister Lorenz zu verschachern. Arme Paulina, sie hingegen liebt nämlich den jungen Schulmeister Friedhelm Lindenthaler und hofft tief in ihrem Inneren den Vater umstimmen zu können. Währenddessen versuchen die Hohenstetter mit den befremdlichen Wetterkapriolen fertig zu werden, die ihre Ernte, ihr Auskommen und schlussendlich ihr Leben bedrohen. Gebete allein scheinen da nicht mehr zu helfen und Lug und Betrug die Atmosphäre noch weiter zu vergiften …

Von der Autorin Astrid Fritz bin ich einen anschaulichen Erzählstil in Verbindung mit einer akribischen Recherchearbeit aus früheren Romanen gewohnt und so hat sie mich auch diesmal nicht enttäuscht. Geschickt verbindet sie wahre Begebenheiten mit Fiktion, die mich mit ihrer Intensität schnell in den Bann gezogen hatten. Die düstere, ja scheinbar hoffnungslose Atmosphäre ist durch die Zeilen spürbar und so hatte ich beim Lesen ein wunderbar realistisches Bild vor Augen. Die Armut, der Hunger, die Krankheiten … es muss ein überaus hartes Leben gewesen sein vor zweihundert Jahren. Da ich selbst im wunderschönen Baden-Württemberg lebe, waren mir natürlich auch die vielen genannten Ortschaften ein Begriff und als es den Pfarrersohn Gottlieb auf den Hohenasperg verschlug, hätte ich ihm vom Fenster meiner elterlichen Wohnung sogar zuwinken können.

Astrid Fritz hat mit „Der dunkle Himmel“ einen atmosphärisch dichten und äußerst spannenden Roman geschrieben, wenn ich mir auch, vom Klappentext ausgehend, ein wenig mehr zum Thema „Das Jahr ohne Sommer“ gewünscht hätte. Dennoch vergebe ich gerne mit fünf Sternen die volle Punktzahl und spreche eine absolute Leseempfehlung aus. Ein stimmiger historischer Roman mit viel Lokalkolorit, der ein wenig nach einem zweiten Teil ruft … vielleicht dürfen wir hoffen? Ich würde gerne lesen, wie es mit den Familien aus Hohenstetten, inzwischen verstreut in alle Winde, weitergeht …


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