• Isabel (engineerwife)

Der liebe Gott sieht alles ...

Aktualisiert: 9. Jan. 2020

Wow, das ging nun aber flott. Nach einer nahezu schlaflosen Nacht habe ich dieses Buch nach nur knappen zwei Tagen erstaunt, erschüttert und berührt zugeklappt. In diesem auf wahren Tatsachen beruhenden Roman treffen strammer DDR Sozialismus und strenger katholischer Glaube in einer Weise aufeinander, die einem den Atem verschlägt. Die Protagonistin Carina Kramer lebt bis vor Kurzem ein für DDR Verhältnisse privilegiertes Leben. Nicht ganz freiwillig, denn ihr Mann Wilhelm – ein strenger Parteigenosse, der 16 Jahre älter ist als sie – erweist sich besonders in den letzten, krankheitsbehafteten Jahren seines Lebens, als fordernder Tyrann gegenüber Frau und Kindern. Fast scheint es eine Erleichterung, von dieser Last befreit zu sein. Als sie bei der Beerdigung schließlich auf ihre im Westen lebende Schwiegermutter trifft, spricht ihr diese Mut zu und wünscht ihr, dass sie sich wieder verlieben und ihr Leben endlich genießen soll. Doch wie hätte sie ahnen können, dass die Liebe bald wie ein Bombeneinschlag in ihr Leben eintreten sollte? Tragischerweise ist auch diese Beziehung nicht von Glück und Harmonie geprägt. Während Carina und Raphael einander bald hoffnungsvoll verfallen scheinen, hat die katholische Kirche alles andere als ihre Glückseligkeit im Sinn, die Beziehung scheint zum Scheitern verurteilt, bevor sie wirklich begonnen hat …

Hera Lind zeigt mit diesem Roman ein unheimliches Einfühlungsvermögen in die Gefühlswelt der Familien Kramer und von Ahrenberg obwohl sie diese während der Entstehung des Romans noch nicht von Angesicht zu Angesicht kennen lernen durfte. Geschickt verknüpft sie die oft tragischen Geschehnisse zu einer homogenen Geschichte, die den Leser sprachlos werden lässt. Wieder einmal darf man Einblick nehmen in die Machenschaften sowohl der Kirche als auch des ehemaligen DDR Regimes, die Abgründe öffnen, die menschen

verachtender kaum sein können.

Ich freue mich auf weitere Erlebnisse mit der Autorin, wer Hera Lind nur von ihren ganz frühen Romanen kennt, wird sie nicht wiedererkennen und vielleicht – wie ich – begeistert sein.


An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für das Rezensionsexemplar :)

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