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Nordische Melancholie, wunderbar in Worte gefasst ...

Autorenbild: Isabel (engineerwife)
Isabel (engineerwife)
vor 5 Tagen
2 Min. Lesezeit

Dörte Hansen nimmt mich mit "Broder" erneut mit in den hohen Norden, in eine raue, melancholische Welt, die sie mit ihrer wunderbaren Sprache so lebendig werden lässt, dass ich beim Hören die Landschaft förmlich vor Augen hatte. Diese besondere, manchmal bedrückende Atmosphäre einzufangen, ist eine ihrer großen Stärken.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillingsbrüder Broder und Henning Bahnsen, deren Lebenswege unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Broder seinen Traum, Bauer zu werden, aufgeben musste und Tierarzt geworden ist, hat Henning den elterlichen Hof übernommen. Alte Verletzungen, familiäre Verstrickungen und die Veränderungen in der Landwirtschaft prägen das Leben der beiden und ihrer Familien. Vieles bleibt unausgesprochen, manches wirkt lange nach - und hinter der norddeutschen Gelassenheit verbirgt sich so manche schwere Last. Sprachlich hat mich Dörte Hansen wieder einmal überzeugt. Mit feinem Gespür für Menschen, Landschaft und die leisen Zwischentöne erzählt sie von Herkunft, Zugehörigkeit und der Schwierigkeit, sich aus alten Strukturen zu lösen.

Ein kleines bisschen schwerer als bei ihren ersten beiden Büchern fiel mir diesmal der Zugang. Manchmal musste ich beim Hören überlegen, wer gerade wer ist und wie die einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau und hat meinen Gesamteindruck kaum geschmälert. Auch die Hörbuchstimme war für mich diesmal nicht ganz dieselbe Freude. Hannelore Hoger, die Dörtes ersten beiden Romane für mich so unverwechselbar zum Leben erweckt hat, ist leider nicht mehr unter uns. Ihr dunkles Timbre hat einfach wunderbar zu Dörte Hansens Geschichten gepasst. Die jetzige Sprecherin - nämlich die Autorin selbst - macht ihre Sache gut, aber ein wenig habe ich diese vertraute Stimme vermisst. Und trotzdem: "Broder" ist für mich ein sprachlich und atmosphärisch beeindruckender Roman, der mich einmal mehr in Dörte Hansens Welt eintauchen ließ. Vielleicht hat er mich nicht ganz so tief berührt wie seine Vorgänger, aber ihre besondere Erzählkunst hat mich auch diesmal überzeugt.


Von mir gibt es deshalb mit fünf Punkten die volle Punktzahl.

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