Kennt Rache wirklich keine Grenzen?

„Das habe ich wegen dir getan“ von John Lanchester hatte für mich einen richtig starken Einstieg. Die Geschichte rund um Kate, ihren Mann Jack und die Streaming-Serie „Betrug“ hat mich sofort neugierig gemacht. Kate entdeckt darin immer mehr Details aus ihrem eigenen Leben und muss feststellen, dass jemand sehr persönliche Dinge öffentlich macht. Dahinter steckt die Drehbuchautorin Phoebe Mull, deren Rolle in der Geschichte nach und nach immer interessanter wird.
Gerade das Zusammenspiel zwischen Kate und Phoebe hat mir gut gefallen. Ich war wirklich überrascht, wie gnadenlos Kate vorgeht, nachdem sie selbst zum Opfer von Phoebe geworden ist. Eigentlich kann man ihre Wut und ihren Wunsch nach Vergeltung nachvollziehen – aber was daraus entsteht, nimmt teilweise ziemlich extreme Ausmaße an. Dadurch habe ich mich immer wieder gefragt: Wer ist hier eigentlich Opfer und wer Täterin? Eine klare Antwort darauf gibt es für mich nicht.
Nach dem starken Anfang hat sich die Geschichte für mich im Mittelteil allerdings etwas gezogen. Hier hätte es für meinen Geschmack ruhig etwas schneller vorangehen dürfen und dadurch ging zwischenzeitlich ein wenig die Spannung verloren.
Im letzten Drittel hat mich das Buch dann wieder richtig gepackt. Die Handlung wird überraschender und zunehmend abgedreht. Einige Entwicklungen haben mich wirklich geflasht. Gerade diese Mischung aus Rache, skurrilem Humor und völlig unerwarteten Wendungen hat für mich den besonderen Reiz der Geschichte ausgemacht.
Auch wenn mich der Mittelteil nicht ganz überzeugen konnte, hatte das Buch insgesamt genügend Überraschungen und schräge Momente, um mich gut zu unterhalten.

John Lanchester präsentiert hier einen ungewöhnlichen und bitterbösen Roman über Rache, Schuld und die Frage, wie weit man gehen darf, wenn man selbst zum Opfer geworden ist. Das Potenzial wurde für mich nicht ganz ausgeschöpft, aber solide vier Sterne sind absolut verdient.










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