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Woher wir kamen – und was davon in uns weiterlebt ...

Autorenbild: Isabel (engineerwife)
Isabel (engineerwife)
1. Sept.
2 Min. Lesezeit

Mit ihrem Roman „Woher wir kamen“ konnte mich die überaus talentierte Autorin mal wieder komplett überzeugen, nicht zuletzt, weil ich doch so einige Gemeinsamkeiten mit meinem eigenen Leben entdecken konnte. Aber zuerst zur Handlung selbst. Im Mittelpunkt des Romanstrangs der Gegenwart steht Jane, die nach dem Tod ihres Vaters völlig überraschend erfährt, dass sie ein Haus auf Cape Cod geerbt hat. Dort stößt sie auf alte Briefe, die in deutscher Sprache geschrieben wurden und ein Familiengeheimnis ans Licht bringen. Jane, Tochter eines schwarzen US-Marines und einer weißen Krankenschwester mit deutschen Wurzeln, hat sich schon ihr ganzes Leben lang zwischen verschiedenen Welten bewegt. Wirklich irgendwo dazuzugehören, scheint ihr nie gelungen zu sein.

Gleichzeitig trägt Jane ihre ganz eigenen schweren Erfahrungen mit sich herum. Als Sanitäterin war sie im Irakkrieg eingesetzt und hat dort Dinge erlebt, die sie bis in die Gegenwart verfolgen. Sie leidet unter Albträumen und hat sogar die Musik aufgegeben, die ihr früher so viel bedeutet hat. Ihre persönliche Geschichte verbindet sich dadurch sehr eindringlich mit der Geschichte ihrer Familie.

Die alten Briefe führen Jane schließlich zurück nach Deutschland und in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Besonders die Briefe ihres Großvaters Benno, der sich 1915 in Bagdad befindet und an seine spätere Frau Emilia schreibt, öffnen ein Fenster in eine Vergangenheit, die von Krieg, politischen Umbrüchen, Verlust und gleichzeitig von einer großen Liebe geprägt ist.

Sehr schön fand ich dabei, wie sich die beiden Zeitebenen allmählich miteinander verbinden. Man bekommt nicht einfach nur eine Familiengeschichte erzählt, sondern versteht nach und nach, wie Erfahrungen einer Generation die nächste beeinflussen können. Die Vergangenheit ist eben nicht einfach vorbei – manchmal trägt man sie weiter, ohne überhaupt zu wissen, woher bestimmte Gefühle und Verletzungen kommen.

Besonders angesprochen hat mich natürlich die amerikanische Seite der Geschichte. Ich komme selbst aus einer US-Militärfamilie komme – mein erster Mann und meine beiden Söhne waren bei der US Army / US Navy – und so konnte ich mich mit vielen Dingen identifizieren. Alle drei waren wie auch Jane im Iraq und haben viel mit mir darüber gesprochen. Dadurch wurde die Geschichte in „Woher wir kamen“ für mich noch greifbarer und bekam eine ganz eigene emotionale Nähe. Einige Passagen waren für mich manchmal etwas lang und die ausführlichen historischen Hintergründe haben gelegentlich das Erzähltempo gebremst. Trotzdem habe ich diese Längen gerne in Kauf genommen, weil die eigentliche Geschichte mich einfach gepackt hatte.

Besonders berührt hat mich Janes Umgang mit ihren Kriegserlebnissen. Ihre Traumata werden nicht einfach als Teil der Handlung abgearbeitet, sondern zeigen, wie lange Krieg einen Menschen verfolgen kann – auch dann, wenn man längst wieder zu Hause ist. Dadurch bekommt der Roman neben der Familiengeschichte auch eine sehr menschliche und nachdenkliche Ebene. Ein Buch, das mir nicht nur eine Geschichte erzählt hat, sondern mich auch an einen Teil meiner eigenen Lebenswelt erinnert hat. Und genau solche Bücher bleiben besonders lange im Herzen. Dafür gibt es von mir sehr, sehr verdiente fünf Sterne!


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